Die Mikwe von Speyer ist noch erhalten und zählt zu den schönsten jüdischen Ritualbädern nördlich der Alpen. Eine Bedingung für die Einrichtung eines jüdisches Ritualbads im jüdischen Glauben ist, dass das „Reinigende Wasser“ aus einem fließenden Wasser gespeist wird. Dementsprechend wurde die Mikwe von Speyer 10 Meter tief in das Grundwasser des Rheintals gebaut, wo es immer wieder mit frischem Wasser versorgt wurde, dies funktioniert noch bis heute.

 

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Bericht: Fachwerkführung Eppingen 

am 27.11.2021

In der Geschichte findet man den Begriff des Fachwerkbaus weit vor Christi bei römischen Architekten. Besonders in holzreichen Gegenden wurde die Technik des Fachwerks schon frühzeitig von den Handwerkern eingesetzt. Zum Bau der Häuser verwendete man das für neue Siedlungen oder für Ackerland gerodete Holz. Zunächst in Vollholzbauweise (Blockbau) und dann, nachdem die umliegenden Ressourcen an dicken Holzstämmen knapp wurden, erfand man eine Art Holzskelett, dessen Löcher (Gefache) mit anderen Baumaterialien gefüllt wurden.

 

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Mit ca. 90 zum Teil sehr gut erhaltenen Fachwerkhäusern verfügt die Stadt Eppingen über eine stattliche Anzahl dieser geschichtsträchtigen Bauten aus vergangener Zeit. Fachwerkbunt schmiegen sie sich aneinander und faszinieren den Betrachter mit ihren Farben, Schnitzereien und der Bauweise.

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Ein „Fachmann für Fachwerk“, Christoph Waidler, aktives Mitglied der Heimatfreunde Eppingen e.V., führte uns in die Welt des Fachwerksbaus der Stadt Eppingen optimal ein. Wir lernten viele Details und Geschichten rund um die Kunst des Fachwerkbaus.

Kurz vor dem 3. Lockdown Ende November 2021 hatten wir die Möglichkeit eine Fachwerkführung trotz etwas schwieriger Witterunsgbedingungen zu realisieren. 

Wir konnten auch das sogenannte Bäckerhaus in Eppingen bewundern, welches als das älteste bisher bekannte Fachwerkhaus im Kraichgau gilt, es wurde vor mehr als 600 Jahre gebaut und ist ein beeindruckendes Beispiel für die Kunst des Fachwerkbaus in Mitteleuropa.

Die Fachwerkführung mit Herrn Waidler war so interessant, dass wir beschlossen haben, denselben Ausflug auch nochmal im Spätsommer 2022 anzubieten (11.09.2022).

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Bericht: Ausflug nach Speyer

13.11.21 - An den Quellen des Judentums In Mitteleuropa

Am 13.11.2021 machten sich die Mitglieder des Vereins der Freunde Sinsheimer Geschichte und des Bündnisses für Toleranz auf den Weg nach Speyer, in eine der drei sogenannten SchUM Städte - die drei Rhein-Städte Speyer, Worms und Mainz, deren hebräische Namen, bzw. deren Anfangsbuchstaben den Begriff „SchUm“ bilden und als Städte erster Zeugnisse des Judentums in Mitteleuropa in diesem Jahr ins Weltkulturerbe aufgenommen wurden.

Die Exkursion sollte auch ein Beitrag beider Sinsheimer Vereine zum Gedenken an die Reichspogromnacht, am 9. November sein. Nach einer 45-minütigen Zugfahrt, auf der die 20 Teilnehmer schon im Vorfeld über die Exkursion informiert wurden, kamen die Teilnehmer gegen 10:30 Uhr im sogenannten Judenhof an. Unter sachkundiger Führung konnten die drei Elemente einer jüdischen Gemeinde besichtigt werden, der Friedhof, das Ritualbad (Mikwe) und die Synagoge.

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Danach konnten die Teilnehmer der Exkursionsgruppe die Reste der ehemaligen Männer- und Frauensynagoge besichtigen. Innerhalb dieser imposanten Zeugnisse jüdischen Lebens in Speyer wurden die Besucher von der exzellenten Führerin Cornelia Benz (Vorsitzende der Interessensgemeinschaft der Gästeführer Speyer IGS) über die 1700-jährige Geschichte der Juden in Deutschland informiert. Denn schon vor der Völkerwanderung sind Juden mit den römischen Legionen nach Germanien gekommen, so auch an den Rhein, und blieben danach in den von den Römern geründeten Städten des Rheins. Sie hatten einen großen Anteil daran, das antike Erbe in die Zeit des Mittelalters in Deutschland hinüberzuretten.

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Die Bedeutung von Speyer kann man nicht hoch genug einordnen, der Judenhof ist ein Denkmal des Wissens und jüdischer Gelehrsamkeit im Mittelalter. Themen wie Rechtsprechung, Familienrecht, Erbschaftsrecht, ein Scheidungsrecht, das den Mann zum Beispiel nicht bevorzugt, wurden durch Überlieferungen, Kommentare des Talmuds unter jüdischen Gelehrten gelebt und durch das Mittelalter als „Frühaufklärung“ getragen.

Die Ausflugsgruppe erfuhr bei der Führung, das bereits beim Aufruf zum ersten Kreuzzug 1095, Pogrome gegen die Juden ausgelöst wurden – also vor mehr als 900 Jahren. Doch damals stellte sich der Bischof von Speyer zwischen die jüdische Gemeinschaft und den mordenden Pöbel und erklärte sich selbst als Schutzherr der Juden. Als die Verantwortung für die Stadt an den Rat übergeben wurde, wurden die Juden aus der Stadt vertrieben und mussten auf dem Lande eine kärgliche Existenz fristen.

Die Besucher wurden ebenfalls über die Pestpogrome des 14. Jh. informiert, welchen auch hunderte von Juden in Speyer zum Opfer fielen. Diese grässlichen Pogrome wurden gegen das Expertenwissen, gegen die jüdisch-aschkenasischen Wissens-Kultur gerichtet und gegen die „ketzerische“ Rechtsprechung eines „aufgeklärten“ gesellschaftlichen Zusammenlebens. Radikalisierte Ordensträger verurteilten den Talmud als Werk des Teufels und hetzten die einfache Bevölkerung auf. Verschwörungstheorien wie „Pestausbruch durch sogen. Brunnenvergiftungen von Juden“ wurden schon vor fast 1000 Jahren an Leichtgläubige verbreitet, um sie zu den Pogromen anzustacheln – eine erschreckende Konstante, welche ganz augenscheinlich die Zeit überlebt hat.

Erst unter der Herrschaft von Napoleon wurde den Juden im Code Civile das gleiche Bürgerrecht zugestanden und es entstand vor allem in den Rheinbundstaaten ein blühendes Jüdisches Leben.

In der Reichspogromnacht, am 9. November 1938 wurde die neue Synagoge, wie 1400 andere Synagogen und Betstuben in Deutschland, zerstört, die jüdischen Friedhöfe geschändet und die Deportation der jüdischen Mitbürger aus Speyer begann. Vom Brand der Synagoge gibt es auch eine Video-Aufzeichnung:

- Synagoge Speyer 1938 - YouTube. einfach klicken

Nur wenige Juden kehrten nach dem 2. Weltkrieg zurück. Erst im Oktober 1996 wurde in Speyer - insbesondere von zugezogenen Emigranten aus den GUS-Ländern - eine neue Jüdische Gemeinde Speyer e.V. gegründet. Die neue jüdische Gemeinde in Speyer führt so die fast tausendjährige Tradition des Judentums in dieser Stadt weiter.

Nach einem sehr guten Mittagsessen im Speyerer Ratskeller besuchte die gemischte Gruppe aus „Freunden Sinsheimer Geschichte" und "Bündnis für Toleranz“, die Gedenkkapelle von Edith Stein – eine deutsche Philosophin und Frauenrechtlerin jüdischer Herkunft, welche später zum Christentum konvertierte und unter anderem im Dominikanischen St. Magdalenakloster in Speyer als Lehrerin arbeitete.

Edith Stein geriet als gläubige Katholikin, jüdischer Herkunft während des Nationalsozialismus stark unter Druck. Sie schrieb bereits kurz nach der Machtübernahme Hitlers einen Brief an den damaligen Papst Pius XI., mit der Bitte, öffentlich gegen die Judenverfolgung zu protestieren. Edith Stein erhielt nie eine direkte Antwort auf ihr Schreiben an den Papst. Nach der Pogromnacht 1938 musste sie von Köln nach Holland fliehen wo sie nach dem Überfall Nazideutschlands auf Holland 1941 von den Deutschen festgenommen wurde, zwangsdeportiert und im August 1942 in Ausschwitz ermordet.

1987 wurde Edith Stein von Papst Johannes Paul selig-, und 1998 heiliggesprochen – sie gilt seitdem als „Patronin von Europa“ und wird auch in christlichen Namenskalendern gewürdigt. Zum Gedenken an Edith Stein wurde eine Gedächtniskapelle im St. Magdalenakloster und ein kleines von Ordensschwestern geleitetes Museum eingerichtet.